Abschiede und Langstreckenläufe

Wie mich das Ende einer Freundschaft lehrte meine Faust zu öffnen und Vergebung es möglich macht wieder zu atmen.


An wen denkst du, wenn du Neuigkeiten hast und diese augenblicklich jemanden erzählen willst? Neben meinem Mann war das bei mir sehr oft meine beste Freundin.


Jahrelang gingen wir unseren Weg gemeinsam. Wir lachten, redeten, unternahmen Dinge, schrieben miteinander. Wir versuchten unseren Glauben gemeinsam zu leben. Wir waren immer für einander da, vertrauten uns einander an - egal wie hell oder dunkel die Stunde war.


Dann kam dieser eine Tage, diese eine Stunde, diese eine Nachricht, die alles ändern sollte.

Ich werde hier nicht unsere ganze Geschichte darlegen, das würde viel zu weit gehen und in die Privatsphäre dieser ehemaligen Freundin eingreifen. Das möche ich nicht, aber was ich möchte, ist dir zu zeigen, wie du aus einem Moment, in den du als Raupe eintratst, als Schmetterling austreten kannst.


Das, was alles ändern sollte, war, dass diese Freundin aus meinem Leben ging. Sie starb nicht, doch sie verabschiedete sich durch ihre Worte aus meinem Leben. Und so ging sie.

Ich frage mich manchmal, wie es ihr heute geht. Für mich bedeutete unser Abschied den größten Schmerz, den ich je empfunden hatte.


Das alles liegt noch gar nicht so lange zurück, gerade einmal ein paar Wochen. Die Wunde ist also noch frisch, sie fühlt sich klaffend offen an. Sie blutet. Doch eines durfte ich bereits bemerken: Natürlich entwickelte ich mich auch während der Dauer unserer Freundschaft, doch harte Schläge, die einen treffen, führen oft dazu, dass man herausgefordert ist, die weitere Entwicklung in einem Sprint zurückzulegen - während man denkt, dass man dazu eigentlich doch gar nicht bereit ist.


Hilflos. Das Wort beschreibt ganz gut wie ich mich nach unserem "Aus" fühlte. Hilflos, denn sie war der Mensch, der mich verstand und kannte wie kein anderer.


Auf einmal sollte ich sprinten. Ich sollte einen Sprint zurücklegen an dessen Ende ich loszulassen können sollte.


Das war nie eine meiner Stärken. Ironischerweise sprach ich mit dieser Freundin oft über genau das. Ich hatte nicht einmal die leiseste Ahnung, dass sie es sein sollte, die mich eines Tages beinahe dazu "zwingen" würde diesen Schritt zu machen.


Doch ich lernte, dass wenn man zu etwas herausgefordert ist, viel mehr Stärke hat, als man zu meinen glaubt.


Ich kann noch immer nicht einfach loslassen und machen wir uns nichts vor, dass wird vermutlich ein jahrelanger, wenn nicht lebenslanger Prozess werden, doch ich habe gelernt, wie man seine Faust, langsam öffnen kann.


Und manchmal reicht das: Die Faust langsam öffnen, damit man wieder ein Stück leichter atmen darf. Denn in Wirklichkeit ist der Weg zum Loslassen kein Sprint, sondern ein Langstreckenlauf und man darf dabei anhalten.


Mein Geheimnis fürs langsame Faust-Öffnen? Vergebung. Den Willen, zu vergeben.

Du kannst mir hier gerne schreiben!

© 2019 by Mag. Magdalena Preineder