Auch du siehst Pracht und Gold, doch anders.

Er führt dich hoch hinauf auf einen Berg, die Welt liegt euch vor den Füßen. Ihr beide seht sie, doch anders.


„Man muss sein wie sie!“, züngelt er voll Hinterhalt.


Dein Blick gilt denselben Städten, denselben Häusern, denselben Menschen.


„Man muss sein wie sie!“, flüstert er voll Lust. Dein Blick gilt derselben Richtung wie der seine, auch du siehst Pracht und Gold vor dir.

Doch anders.


„Man muss sein wie sie!“, züngelt er erneut. Er will dich versuchen.


Sieht er denn nicht, dass du schon längst dem Menschen gleich bist und genau das in den Augen vieler dein Fehler ist?

Ein Gott von gleichem Fleisch wird vielfach zurückgewiesen. Ein Gott sollte nicht leiden können. Sie sehen nicht, dass du es für sie tust. Ein Gott sollte nicht in Armut leben. Sie sehen nicht, dass du es für sie tust. Ein Gott sollte nicht sterben können. Sie sehen nicht, dass du es für sie tust. Ein Gott sollte nicht das größte Unrecht vergeben können. Sie sehen nicht, dass du es für sie tust.


Doch du stehst dort, hoch oben auf diesem Berg, fest im Wort des Vaters.


Deine Stimme wankt nicht als du ihn zurückweist. Deine Stimme ist fest, denn du bist das Wort.


Dein Blick gilt denselben Städten, denselben Häusern, denselben Menschen. Auch du siehst Pracht und Gold vor dir. Doch anders. Während er nach den Goldbarren der Welt verlangt, ist das einzige Gold, das du siehst, dass jener Seelen, die zu retten du gekommen bist.

Du siehst jedes einzelne Ja, das vielleicht noch so schwach gehaucht werden wird. Doch für dich ist es wertvoller als alles Gold, das die Welt zu bieten hat. Denn jedes Ja steht für eine Seele, die die Ewigkeit bei dir, ja mit dir, verbringen will. Jedes Ja steht für eine Seele, die erkannt hat, was der wahre Reichtum ist: Die Liebe, die du schenkst und die Liebe, die ihre Herzen zum Brandaltar vor dir macht. Die Liebe, die wie reiner, weißer Weihrauch vor dir aufsteigen wird.


Und dafür bist du schon längst den Menschen gleich geworden.

Anders als das, an was er denkt. Anders als das, was er von dir will. Du bist das Lamm, das die Krippe einem Thron vorgezogen hat. Du bist der Löwe, der die Pracht einer goldenen Krone verschmäht, um sein Haupt mit Dornen krönen zu lassen.

Seelen, sie möchtest du. Seelen, sie sind dein Gold.

Das Ja deiner Mutter ersehnst du in jedem Menschen wiederzufinden.

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© 2019 by Mag. Magdalena Preineder