Dein Ja und mein Vielleicht

Wenn ich nicht beten kann, dann schreibe ich und mein Schreiben wird zu meinem Gebet. Heute möchte ich dich daran teilhaben lassen, was sich dann in meinem Herzen tut.





Vater, dass du Ja gesagt hast zu mir ist mir oftmals nicht verständlich. Viele Augenblicke verbringe ich damit, mich zu fragen, warum du mich wolltest. Du hättest mich nicht schaffen müssen, du hättest nicht den Ruf des Lebens an mich ergehen lassen müssen - aber du hast es getan. Vater, ich frage mich warum. Ich weiß, dass ich hier bin, um dir zu dienen und in vielen Momenten ersehne ich das so sehr! Es tut mir leid, dass es nur viele Momente und nicht alle sind. Du weißt, was den Rest der Momente ausfüllt. Du weißt, dass ein Teil von mir dich verurteilt - dafür, dass du mir dieses Leben gegeben hast. Jemand sagte einmal zu mir, dass man manchmal auch dir vergeben lernen muss und allmählich verstehe ich, was diese Person meinte. Es hängt wohl viel mit der Annahme des eigenen Ichs und des eigenen Lebens zusammen. Mit der Annahme der eigenen Berufung. Vater, ich will dir dienen. Nichts will ich mehr - daran erkenne ich auch, dass du mich eben dazu geschaffen hast. Nichts in dieser Welt kann meinen Durst stillen, ich weiß, dass die ewige Quelle nur du bist - meine Berufung zu leben, mein Sehnen dir zu dienen, ist ein Vorgeschmack dessen, was es bedeutet, sich bei dir laben zu dürfen. Vater, du erquickst mein Sein immer wieder aufs Neue und doch bist du es zugleich, der meine Hoffnungen zertrümmert. Aber das ist wohl gut so, denn manchmal stellen sich meine schwachen Hoffnungen der Sehnsucht für dich zu leben entgegen. Manchmal ereilt mich die Hoffnung aus dieser Welt zu scheiden, doch nicht um deinetwillen, sondern um meinetwillen. Nicht, dass ich endlich bei dir sein darf und meine Seele sich in der ewigen Köstlichkeit deiner Gutheit laben darf, sondern, dass dieses schwache und zerbrechliche Ich, zu dem du dein Ja gesprochen hast, kein Kreuz tragen muss. Oh, wie unwürdig bin ich deiner. Du selbst stiegst ans Kreuz - du, der du die Quelle und das Ziel allen Lebens bist und ich finde mich wieder, mich dagegen sträubend, versuchend es abzuwerfen, kämpfend - gegen dich anstatt gegen den Feind. Vater, verzeih mir - das ist meines Herzens Gebet, denn zu oft, wende ich mich gegen dich statt zu dir. Du willst mich in deinen Armen empfangen, doch ich laufe von dir, obwohl alles in mir an deiner Seite ruhen möchte. Du willst mich, hast mich immer gewollt. Es tut mir leid, dass es so viele Momente in meinem Leben gibt, in denen ich mich selbst nicht möchte, in denen ich mich nicht leben sehen möchte. Vater, wie sehr muss dich das schmerzen! Vater, vergib mir - diese Bitte ist aufrichtig und das weißt du. Ich liebe dich auch wenn es mich oft Müh und Not kostet dieses Worte über meine Lippen zu bringen, weil ich einfachnicht verstehen kann, was du tust oder viel besser, warum du es tust. Doch das steht mir auch nicht zu - da ist er wieder, der Stolz, mein enger Vertrauter, mein Laster - dein Feind. Ich kämpfe und ich kämpfe und ich falle. Du siehst das alles. Staunenswert ist, dass du dich nicht abwendest. Du sagst nicht, dass ich nicht gut genug sei, um in deinen Reihen zu stehen. Du willst mich, so wie du es schon immer getan hast - selbst in den Augenblicken, wo ich mich gegen dich wende, selbst in den Augenblicken, in denen ich deiner Größe nicht gerecht werden kann oder es manchmal auch gar nicht will. Ich kämpfe so oft mit dir, doch du hörst nicht auf, deinen Ruf ins Leben, den du mir zugesprochen hast, zu wiederholen. Du willst mich. Immer. In jedem Augenblick. Ganz egal, wie viel ich rebelliere. Du siehst in mir, was ich nicht sehe. Du siehst, was ich für dein Reich vollbringen werde. Vater, ach würdest du mich nur einen einzigen Moment durch deine Augen sehen lassen, damit ich verstehen könnte. Doch es ist wohl gut so, denn so muss ich mich in meiner geschöpflichen Demut vor dir beugen - so tief bis es kein müssen mehr ist, sondern ein wollen, da ich erkannt habe, wer du bist und wer ich bin. Deine Größe ist es, die all mein Sehnen erfüllen kann. Doch warum zweifle ich so oft daran? Warum zweifle ich so oft an dir? Vater, es tut mir leid, dass ich meinen Glaubensweg so oft von der Welt diktieren lasse. Du bist mehr wert. Und obwohl du alles wert bist, hast du mich erwählt - schwach, zerbrechlich, hilfsbedürftig, deiner so bedürftig wie ein Neugeborenes seiner Mutter. Vater, du willst mich und ich bete und hoffe, dass ich dein Ja zu mir eines Tages vollständig annehmen kann. Ich bete und hoffe, dass ich eines Tages mit dir in dieses Ja zu mir einstimmen kann und mein Loblied auf dein vollbrachtes Werk kein Ende mehr nehmen wird!

Du kannst mir hier gerne schreiben!

© 2019 by Mag. Magdalena Preineder