Die Freundschaft in einer Beziehung

Die Dimension der Freundschaft ist auch in einer Partnerschaft von Bedeutung. Sie ermöglicht es, in einem gemeinsamen Anliegen Seite an Seite zu stehen.


Ungefähr anderthalb Wochen nachdem mein Mann und ich uns kennengelernt haben, waren wir auch schon ein Paar. Es ging also ziemlich schnell und daher blieb eigentlich keine Zeit eine der Beziehung zugrunde liegende Freundschaftsbasis zu entwickeln.

Ich bin mir sicher, dass das ein Thema ist bei dem sich die Geister scheiden: Freundschaft in einer Beziehung – no go oder must have?

Philia, die Freundschaft, ist ein Thema, das mein Herz im Moment in Staunen und Faszination versetzt. Besonders, wie du jetzt vielleicht schon erahnt hast, die Freundschaft innerhalb einer Partnerschaft.

Mein Mann und ich sind seit fünfeinhalb Jahren ein Paar und anderthalb Jahre davon ein Ehepaar. Obwohl unsere Beziehung eben als eine romantische Beziehung begann (und das selbstverständlich noch immer ist), entstand zwischen uns neben den Liebesdimensionen der Agape, Storge und Eros (nach C. S. Lewis: Zuneigung und Verliebtheit) zunehmend auch die Philia.

C.S. Lewis schreibt in Was man Liebe nennt:

„Liebende stehen sich gegenüber, ineinander versunken – Freunde stehen Seite an Seite, versunken in ein gemeinsames Anliegen.“

Das trifft, meines Erachtens, den Nagel auf den Kopf.

Weißt du, es ist wunderschön meinem Mann als Liebende gegenüber zu stehen, in seinen Augen zu versinken und auf Wolke Sieben zu schweben. Aber es ist auch wunderschön an seiner Seite zu stehen und für ein gemeinsames Anliegen zu kämpfen oder einem gemeinsamen Interesse nachzugehen.

Ich denke, das Gegenüber-Stehen und das Seite-an-Seite-Stehen ermöglichen jeweils zwei intensive und doch so unterschiedliche Formen von Intimität und Verbundenheit. In der Ehe von meinem Mann und mir haben allerhand Blödeleien, jede Peinlichkeit, Dinge, die sonst niemand über uns weiß, unsere kühnsten Träume und tiefsten Sehnsüchte ihren Platz. Tatsächlich ist das die Art von Verbundenheit, die ich der Freundschaft zuschreibe. C.S. Lewis schreibt:

„Freundschaft entsteht aus bloßer Kameradschaft, wenn zwei oder mehr Kameraden entdecken, daß sie eine Einsicht, ein Interesse oder auch einen Geschmack teilen, der andern nichts bedeutet. Bis zu diesem Zeitpunkt glaubte jeder, er sei allein mit diesem Schatz (oder dieser Last).“

Mein Mann und ich stehen uns nicht immer nur gegenüber und leben in einer rosa Seifenblase, sondern wir stehen auch Seite an Seite und das, was Gott uns reicht, nehmen wir gemeinsam in Empfang: Ob es jetzt einmal süße Himbeeren (also ein Schatz) oder doch etwas sauer anmutende Zitronen (also die Last) sind. Seite an Seite arbeiten wir zusammen, helfen wir zusammen, um das Beste und Gottgefälligste aus allen Umständen des Lebens zu machen.

Wir haben eine gemeinsame Einsicht, ein Interesse, teilen einen Geschmack. Das ist eine Verbundenheit bei der jeder von uns beiden wissen darf, dass er bei seinem Gegenüber willkommen ist – bedingungslos. Wir können gemeinsam lachen bis der Bauch schmerzt und wir können gemeinsam todtraurig sein. Egal, was auf uns zukommt, es geht immer uns beide an.

Wenn du in einen Kampf ziehst und dabei deinem Heeresbruder Auge in Auge gegenüber stehst, wirst du den Kampf ganz sicher verlieren, weil du nicht mehr siehst, was um dich geschieht. Du hast zwar Augen für deinen Kampfpartner, aber nicht mehr für deinen Gegner. Wenn du aber Seite an Seite mit deinem Partner stehst, dann seid ihr fähig wahrzunehmen, was um euch geschieht und darauf zu reagieren. Gemeinsam.

Du kannst mir hier gerne schreiben!

© 2019 by Mag. Magdalena Preineder