Du trägst Perfektion in Dir.

Schönheit und Perfektion - zwei Themen, ja zwei Sehnsüchte, die wohl nie alt werden. Meine These: Die Perfektion Deines Körpers liegt in der Fähigkeit, Gott zu dienen.


Ich bin 16 und steige auf die Waage. Ich kann nicht mehr sagen zum wie vielten Mal an diesem Tag. Alle paar Minuten muss ich kontrollieren, ob sich mein Gewicht auch nur um 0,01 kg verändert hat. Zum Besseren oder Schlechteren? Von Tag zu Tag sinkt die Zahl auf der Waage, meine Knochen treten immer deutlicher hervor. Meinem Ziel komme ich immer näher. Untergewicht, doch es reicht nicht. Ich will mehr, nämlich mehr vom weniger. Mein Körper soll nahezu schwinden. Erst dann ist er perfekt.


Ich bin 17 und Gott hat die Fesseln der Magersucht gesprengt. Doch noch Jahre später wird mich das Thema Körperbild beschäftigen.


Ich bin 21 und heirate die Liebe meines Lebens. Insgeheim kann ich es nicht fassen. Ich dachte, mein nicht perfekter Körper würde jeden Mann davon abhalten, mich zu lieben.


Ich bin 23 und nehme Antidepressiva. Die Tabletten führen zu Heißhungerattacken und Gewichtszunahme. Meine Lieblingsjeans passt nicht mehr. Mit immer weniger Liebe schaue ich auf meinen Körper. Doch ich arbeite daran. Denn irgendwo in mir weiß ich: Ich bin mehr als das, mehr als eine Zahl oder eine Jeans. Mein Mann und ich hegen den Wunsch nach einem Kind. Mein Herz sehnt sich danach, doch zugleich verspüre ich Angst: Werde ich meinen Körper annehmen können, wenn er immer mehr an Umfang zunimmt und seine Jugendlichkeit verliert?


Ich bin 24 und schwanger. Ich habe immer noch Angst vor dem, was mit meinem Körper in den nächsten Monaten geschehen wird und doch tut sich etwas in mir, das um ein vielfaches größer ist als meine Angst: Das neue Leben, das ich unter meinem Herzen tragen darf, lehrt mich etwas über mich selbst und meinen Körper. Dieses Baby flüstert meinem Herzen zu: "Dein Leib ist ein Tempel und ich bin der Beweis."

Was Du eben gelesen hast, war ein (Rück)blick auf die letzten Jahre meines Lebens und die Gegenwart. In dieser Gegenwart möchte ich fortsetzen, um mit Dir zu teilen, was ich in den vergangenen Monaten, die die ersten Monate meiner Schwangerschaft waren, lernen durfte.


Du hast bereits gesehen, dass ich viele Jahre mit der Suche nach Perfektion verbracht habe und wenn sie nicht vorhanden war, ließ mich das in meinen eigenen Augen weniger liebenswert erscheinen. Doch mittlerweile weiß ich: Was ich suchte, wenn ich nach der vermeintlichen körperlichen Perfektion strebte, war nicht die wahre Perfektion, sondern nur ein Idealbild, das ich in meinen Gedanken trug. Die wahre Perfektion, sie ist schon da, sie war schon immer da. In mir und auch in Dir. Und das Beste daran? Sie ist unabhängig davon, wie Du und ich aussehen.


Aber wo ist denn jetzt diese Perfektion? Dazu kommen wir gleich. Auf dem Weg dahin, möchte ich mit Dir einen Gedanken teilen, der mich fasziniert: Der Mensch ist Abbild Gottes, das heißt, das Bildnis Gottes ist in ihn eingeprägt, er trägt es in sich. Denken wir jetzt daran, wo wir normalerweise ein Bild Gottes, eine Ikone, vorfinden. Genau, der Standardort ist eine Kirche, also der Tempel Gottes, in dem er angebetet und verehrt wird.


In 1 Kor 6,19 richtet Paulus folgende Frage an uns:

"Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt und den ihr von Gott habt?"

Wenn Du das Bildnis Gottes in dir trägst, können wir Paulus ohne Zweifel zustimmen: Du bist ein Tempel.


Mein Gedanke geht noch weiter und verdeutlicht mir, und ich hoffe auch Dir, das Tempel-Sein unseres Körpers noch mehr: In diesen neun Monaten meiner Schwangerschaft wächst in mir ein neues Leben heran. Und was ist dieses neue Leben? So wie Du und ich ist es ein Abbild Gottes. Und wieder sind wir bei dem Gedankengang von gerade eben: Im Normalfall befindet sich ein Abbild Gottes in einem prachtvollen Gebäude, das zur Ehre Gottes dient und seine Schönheit widerspiegelt. Ich bin also ein Tempel. Das meinte ich damit, wenn ich vorhin geschrieben habe: "Dieses Baby flüstert meinem Herzen zu: 'Dein Leib ist ein Tempel und ich bin der Beweis.'


Indem ich einem ungeborenen Baby meine Körper als Lebensraum zur Verfügung stelle, diene ich dem Leben. Wenn ich aber dem Leben diene, diene ich Gott. Und das ist es, was ich jetzt begriffen habe: Mein Körper muss nicht erst perfekt werden, sondern er ist es schon. Die Perfektion meines Körpers liegt in der Fähigkeit, Gott zu dienen.


Gott dienen, kannst Du mit jedem Körper. Ob klein oder groß, dünn wie ein Strich in der Landschaft oder doch etwas mehr auf den Rippen, ob mit zwei Beinen und zwei Armen, oder ohne sie, ... - Du kannst Gott dienen.


Ich denke gerade an Nick Vujicic, der ohne Arme und Beine geboren wurde. Ist er deshalb weniger wert? Nein, ich glaube, da sind wir uns einig. Er nutzt das, was ihm gegeben und auch nicht gegeben ist, um Hoffnung und den Glauben zu verkünden. Er dient Gott ganz ohne Arme oder Beine. Die Perfektion seines Körpers liegt in der Fähigkeit, Gott zu dienen.


Wie so oft kommt es darauf an, was wir aus dem machen, was uns gegeben ist.


Vielleicht siehst Du das komplett anders, aber denk doch einmal über meine Sichtweise nach. (Ein kleiner Pluspunkt für die Perfektionisten unter uns: Wenn die Perfektion in mir grundgelegt und unabhängig von körperlichen Eigenschaften ist, wenn sie alleine von Gott abhängig ist, dann kann sie mir nicht genommen werden.)


Was ich geschrieben habe, heißt natürlich nicht, dass wir nicht mit dem Thema der eigenen Schönheit hadern werden oder dürfen, aber es heißt, dass wir gewiss sein dürfen, dass das wonach wir streben, wenn wir Schönheit und Perfektion anzielen schon lange in uns(eren Körpern) vorhanden ist!


Und noch einmal als Reminder: Die Perfektion Deines Leibes liegt in der Fähigkeit, Gott zu dienen.


Du kannst mir hier gerne schreiben!

© 2019 by Mag. Magdalena Preineder