Einander Simon von Cyrene sein

Wie das Rosenkranzgebet mein Bewusstsein dafür schärfte, wozu mein Mann und ich beim Eheversprechen Ja gesagt haben.


Als mein Mann und ich heute gemeinsam den Rosenkranz gebetet haben, konnte ich nicht anders als bei jedem "...der für uns das schwere Kreuz getragen hat" unverwandt auf ihn zu blicken.

Während ich diese Worte aussprach, sah ich vor meinem geistigen Auge Jesus, wie er sein Kreuz zu Golgotha trug und Simon von Cyrene, wie er kam, um ihm tragen zu helfen. Mir stiegen Tränen in die Augen.

Die letzten Tage waren für mich von abgrundtiefen Schuldgefühlen geprägt, denn ich war mir sicher, dass mein Mann sich sein Eheleben anders vorgestellt hatte als dass er jeden Tag von der Arbeit nach Hause kommen und nicht wissen würde, was er vorfinden, ja, wie er mich vorfinden würde - sitze ich stillschweigend da als wäre ich in einer anderen Welt unterwegs, weine ich, findet er mich genau so vor, wie er mich einige Stunden zuvor verlassen hat? Dass meine Depression nicht nur mein eigenes Leben beeinflusst, sondern auch das meines Mannes, machte mir schwer zu schaffen, Schuldgefühle wurden zu meinem steten Gast.

Doch als wir nun gemeinsam beteten, sah ich nicht nur das Bild von Jesus und Simon vor mir, sondern ich musste auch an den Tag unserer Hochzeit denken. Als mein Mann und ich einander das Eheversprechen gaben, haben wir einander versprochen in guten und bösen Tagen, in Gesundheit und Krankheit treu zu sein. Obwohl es bei unserer Trauung noch kaum jemand der Anwesenden wusste, war meine Depression an diesem Tag bereits ein Bestandteil unseres Lebens. Doch die Erfahrung all der Tränen, all der Momente der Hoffnungslosigkeit, all des Schmerzes in mir, hielt meinen Mann nicht davon ab mir sein Ja-Wort zu geben, sondern ließ seine Worte noch gewichtiger werden.

Bei jedem dieser zehn "...der für uns das schwere Kreuz getragen hat", wurde das Bewusstsein in meinem Herzen stark, dass wir vor Gott dazu eingewilligt haben einander Simon von Cyrene zu sein.

Natürlich ist es noch immer nicht schön, dass ich mich dem Leben an so manchen Tagen nicht mehr gewachsen fühle und natürlich ist es noch immer nicht schön (zumindest aus meinem Blickwinkel), dass mein Mann nicht die Frohnatur an seiner Seite hat, die ich mir so oft zu sein wünsche.

Doch es gibt ein großes Aber: Wir haben bewusst Ja dazu gesagt, dass uns kein Kreuz des Anderen jemals zu schwer sein würde. Wir haben bewusst Ja dazu gesagt, dem Anderen immer tragen zu helfen. Mit dem Austausch der Ringe und unseres Eheversprechens ist das Leid in unserem Leben eben unseres geworden - nicht mehr nur meines, nicht mehr nur seines. Und von Gott bekommen wir die Gnade, stark genug zu sein, um jedes Kreuz gemeinsam zu tragen.

Nicht viel später bin dazu passend auf die folgenden Worte von Karol Wojtyla (aus Der Laden des Goldschmieds. Szenische Meditationen über Liebe und Ehe) gestoßen:

Das Gewicht dieser goldenen Ringe - so sagte er - ist nicht das des Metalls, sondern das spezifische Gewicht des Menschen, eines jeden von euch und beide zusammen. Ach, das Eigengewicht des Menschen, sein spezifisches Gewicht! Kann es lastender und zugleich weniger faßbar sein?

Du kannst mir hier gerne schreiben!

© 2019 by Mag. Magdalena Preineder