Gott lässt sich finden.

Ich dachte, ich wollte Gott und er sei gegangen, aber in Wahrheit wollte ich meinen selbst geschaffenen Entwurf Gottes, der immer Ja und Amen sagt, zu dem, wie ich mir das Leben vorstelle.


Ich kann dir gar nicht sagen, wie viel Zeit ich in den letzten zwölf Monaten aufgewandt habe, um Gott anzuklagen, ihn anzuschreien und zu fragen, wo er dann abgeblieben ist. Du kannst dir vielleicht vorstellen, welche Gefühle all das begleitet haben: Entmutigung, Verzweiflung, Wut, Traurigkeit.


Die letzten beiden Wochen stellten davon keine Ausnahme dar, sondern meine Anklagen und Fragen wurden viel mehr auf die Spitze getrieben: Ich zweifelte. An der Existenz Gottes.

Doch es waren genau diese beiden Wochen, in denen ich mich der Gottlosigkeit ausgeliefert sah, die Gott für sich nutzte. Er nutzte sie, um zu sprechen und mir zu zeigen, dass er es nicht ist, der gegangen ist.


Inmitten dem lauten Wüten dieses tobenden Unwetters in meinem Inneren, sprach Gott ganz sanft in die verborgenen Tiefen meines Seins:


„Ich lasse mich finden.“

Es waren Momente, in denen ich darum rang, Gott am Horizont meines Lebens erblicken zu können.

Es waren Momente, in denen ich nicht mehr wusste, ob ich noch Glauben besitze und doch versuchte an einem kleinen Senfkorn des Glaubens festzuhalten.

Es waren Momente, in denen ich mich inmitten aller Hoffnungslosigkeit und Verwundungen bemühte eine Offenheit für Gott an den Tag zu legen.


Diese Momente waren es, in denen Gott immer wieder sein Wort in mein Herz legte:


„Ich lasse mich finden.“

Und das tut er. Er lässt sich finden.


Was ich in all den vergangenen Monaten nicht sehen wollte, war, dass ich mir mit meinen Anklagen und Vorwürfen einen Schutzwall errichtet hatte. Einen Schutzwall vor Gott.

Dieser Wall sollte mich davor bewahren, Enttäuschungen zu erleben. Er sollte mich vor unbeantworteten Gebeten und versagten Hoffnungen bewahren.


Doch genau zu dem, wovor er mich eigentlich beschützen sollte, führte mich dieser vermeintliche Schutzwall hin: Zur Enttäuschung. Denn er verhinderte eine echte Begegnung zwischen Gott und mir.


Manchmal wird Gott Gebete nicht auf die Art und Weise beantworten, wie wir es uns wünschen.

Manchmal werden wir mit aller Kraft hoffen und eines Tages feststellen, dass unsere Hoffnung leer geblieben ist.

Manchmal werden wir schreien und anklagen, während es sich anfühlt als würde Gott einfach nur stumm zusehen.


Ich kann nicht für jedermann sprechen und das möchte ich auch gar nicht, aber ich kann hier für mich und über meine Erfahrung sprechen: Es ist die Erfahrung dessen, dass ich mir viel zu oft selbst im Weg gestanden bin, wenn es darum ging, wo denn Gott abgeblieben ist.

Ich hab geklagt, geschrien, gezweifelt und so oft getan als wäre da kein Gott mehr, als würde er schweigen, als hätte er mir den Rücken zugekehrt. In Wahrheit war ich es, die ihm den Rücken zugekehrt hat, weil ich eigentlich nicht hören wollte, was er zu sagen hat.Ich wollte hören, dass alles gut wird und dass jedes Gebet auf die Art erhört wird, wie ich es mir wünsche.


Ich dachte, ich wollte Gott und er sei gegangen, aber in Wahrheit wollte ich meinen selbst geschaffenen Entwurf Gottes, der immer Ja und Amen sagt, zu dem, wie ich mir das Leben vorstelle.


Gottes Pläne sind anders als meine und das ist gut so, denn sie sind auch unendlich mal besser als meine.


Wir müssen bereit sein, die Pläne Gottes kennenzulernen, Gott kennenzulernen und uns von der Idee verabschieden, dass Gott so ist, wie wir es uns manchmal wünschen. Gott ist viel besser als unsere gelegentlichen Traumvorstellungen von ihm.


Gott ist so, wie wir es uns in der Tiefe unserer Seele ersehnen: gerecht, liebend, weise, barmherzig und allezeit bei uns.


Was ich dir heute sagen möchte: Egal, wie weit entfernt dir Gott vorkommt, egal wie abgrundtief du die Schlucht zwischen euch empfindest, er ist da. Er lässt sich finden. Er will von dir gefunden werden.


Doch willst du auch ihn finden? So wie er ist und nicht wie dein selbstgeschaffenes Ideal von ihm ist?


Gott lässt sich finden. Selbst in den finstersten Stunden, wo dein Blick getrübt und deine Stimme schwach ist, lässt er sich finden.


Geh auf die Suche. Lerne Gott so kennen, wie er ist und Ruhe in der Gewissheit, dass er nie von deiner Seite weicht. Er ist da, auch wenn du ihn nicht siehst und er lässt sich finden, die Frage ist nur, ob du das auch wirklich willst.

Du kannst mir hier gerne schreiben!

© 2019 by Mag. Magdalena Preineder