Dies ist mein Leib, den ich für Dich hingegeben habe.

Wie mich mein Sohn die Hingabe, die Fähigkeit Schönheit zu sehen und die Selbstliebe lehrt.


Es war der Tag nach Deiner Geburt. Der Kaiserschnitt war noch keine 24 Stunden her und hier stand ich nun vor dem Spiegel im Badezimmer meines Krankenhauszimmers. Ich habe vorab viel darüber nachgedacht, wie es wohl sein würde meinen Körper zu sehen, der plötzlich nicht mehr Dein Zuhause sein würde. Wie würde er sich verändert haben? Was würde ich bei seinem Anblick fühlen?


Egal wie viel ich darüber nachgedacht habe, das was kam, habe ich nicht erwartet: Ich sah Schönheit.


Es war nicht einfach ein Bauch auf den ich blickte, es war Dein allererstes Zuhause. Es war nicht einfach nur irgendein Körper auf den ich blickte, es war jener Körper, der Dich neun Monate lang getragen und ernährt hatte. Es waren nicht einfach Dehnungsstreifen auf die ich blickte, es war die Geschichte unseres ersten gemeinsamen Abenteuers. Es war nicht einfach nur eine Narbe auf die ich blickte, es war der Weg, der Dich leben ließ.


Was ich sah, war gut, es war sehr gut. Ich wähle diese Worte bewusst an Anlehnung an die Schöpfungserzählung, in Anlehnung an die Erschaffung des Menschen.


Was Gott sah, nachdem er den Menschen geschaffen hatte, war sehr gut (vgl. Gen 1,31).


Was ich sah, nachdem Du geboren worden warst, war sehr gut.


Ich sah Schönheit. Und wenn schon ich diese Schönheit gesehen habe, kann ich nur mutmaßen, welche Schönheit Gott in jedem von uns sieht.


Es waren die Worte Jesu, die mich über Monate begleitet hatten und es noch heute tun:

„Das ist mein Leib, der für Euch hingegeben wird.“ (Lk 22,19)

Als ich da stand, vor dem Spiegel des Badezimmers, wurde mir eines neu bewusst: Es ist die Hingabe, die Schönheit schafft.


Monate vor Deiner Geburt habe ich darüber geschrieben, wie mich die Angst um den Verlust der Jugendlichkeit meines Körpers begleitete, wie ich mich fragte, ob ich meinen Körper wohl noch annehmen können würde nachdem er Dir Zuhause war.


Jetzt kann ich eines sagen: Ich kann mehr als ihn nur anzunehmen, ich kann ihn lieben.


Mein Sohn, mit Jesus darf ich nun tagtäglich in die Worte einstimmen: Dies ist mein Leib, den ich für Dich hingegeben habe. Du lehrst mich die Hingabe, Du lehrst mich die Schönheit in mir selbst zu sehen, Du lehrst mich, mich selbst zu lieben.