Raus aus der Lüge, rein in die Wahrheit.

Wie ich lernte, dass zerbrechlich zu sein, nicht dasselbe bedeutet, wie zerbrochen zu sein und Gott sich all meiner Sprünge und Risse bedienen kann, um ihn zu verherrlichen.


Wer mich kennt, weiß, dass es ganz schön lange dauern kann bis ich etwas von mir preisgebe, bis ich Vertrauen fasse, bis ich mich verletzlich mache. Doch heute will ich dir etwas von mir erzählen.


Lange wusste ich nicht, ob ich es gut heißen sollte, dass ich Emotionen derart tief empfinde, so dass mein Herz scheinbar nicht nur meine eigenen Gefühle tragen muss, sondern auch die der mich Umgebenden. Fluch oder Segen, fragte ich mich.


Die letzten beiden Monate waren unglaublich hart für mich. Meine #Depression zeigte ihre hässlichsten Seiten - #Verzweiflung, #Wut und die #Sehnsucht nach dem Tod. Hier hab ich die obige Frage mit Flucht beantwortet. Wie sollte meine Fähigkeit tief zu fühlen auch Segen sein, wenn ich an all dem, was ich fühlte, ertrinke?


Mir war es als wurde mir ein Kreuz aufgeladen für das ich einfach nicht stark genug war. Es wurde immer schwerer für mich. Ich brauchte täglich Benzodiazepine und traute mich irgendwann nicht mehr meinen Arzt nach einem neuen Rezept zu fragen. Tja, Wodka zum Frühstück? Aber klar doch.


Was ich nicht begriff, war, dass ich in der #Lüge lebte.


Ich dachte, ich müsse #perfekt sein, makellos in dem was ich bin und was ich tue. Ich dachte, ich muss etwas leisten, damit ich überhaupt erst sein darf. Ich dachte, ich bin nicht schön. Ich dachte, ich bin nicht #liebenswert. Und so könnte ich diese Liste wohl noch lange fortsetzen.


Weißt du, ein Jahr zuvor bin ich während meiner Flitterwochen auf den Felsen nahe einer Bucht gesessen. Drei Stunden lang. Drei Stunden vergingen ohne das ich es merkte. Was ich in diesen drei Stunden machte, war die Bibel zu betrachten. Genauer gesagt die Perikope der Sünderin mit dem Alabastergefäß in Lk 7,36-50. Das ging mit viel Gebet einher.


Während ich betete, hatte ich den Eindruck, dass Gott mir zuflüstert, dass ich sein Gefäß sein werde. Sein Alabastergefäß, wertvoll, doch zerbrechlich.


Die Monate vergingen und dieser Tag geriet zunehmend in Vergessenheit. #Gott geriet in meinem Leben zunehmend in Vergessenheit, außer wenn ich ihn brauchte, um jemanden auf die Anklagebank zu setzen und den Schuldspruch fällen zu können, darüber, warum es mir so mies ging. Gott ließ das geduldig mit sich geschehen. So wie vor 2000 Jahren.


Ich fand mich also diesen Sommer wieder - am Boden liegend, kraftlos, suizidal. Wie oft rang ich mit der Möglichkeit meinem Leben ein Ende zu setzen. Sie schien so verführerisch.

Was mir in dieser Zeit irgendwie am meisten zu schaffen machte - und das obwohl ich sooft mit Gott rang - war, dass ich mich dazu verdammt sah, selbst für das Reich Gottes nutzlos zu sein. Ich sah mich dazu verdammt, nicht dienen zu können. Denn ich war zu zerbrechlich für diese Welt. Ich lebte in dieser Lüge.


Was ich lange nicht begriff, war, dass Gott mir ein Jahr zuvor gesagt hatte, dass ich ihm dienen werde - als zerbrechliches Gefäß. Wo ich Scherben sah, sah Gott vielleicht gerade einmal Sprünge. Wo ich nichts als Dunkelheit und Wunden sah, sah Gott die Möglichkeit durch die Risse in dem Gefäß, das ich sein darf, sein Licht auszusenden.


Ich weiß noch, als mir ein lieber Vertrauter ca. ein Monat nach den Flitterwochen sagte, dass ich trotz all meinem Schmerz, Licht ausstrahle, selbst wenn ich es nicht sehen kann. Das war mein größter Traum, doch glauben konnte ich es nicht. Bis jetzt.


Was jetzt anders ist, ist dass ich begriffen habe, dass Gott mich beruft. So wie ich bin. Er will meine #Zerbrechlichkeit, er findet sie schön. Durch meine Fähigkeit tief zu empfinden darf ich in besonderem Maße an seinem Vaterherzen teilhaben. Durch meine Zerbrechlichkeit darf ich Licht ausstrahlen, das er in mich legt.


Ich darf nicht nur dienen, ich bin dazu gerufen -s o wie ich bin und das Kreuz auf meinem Rücken ist keinesfalls zu schwer für mich, sondern es wiegt genau so viel, wie ich tragen kann.


Was ich mir bewusst werden musste, war, dass Gott zu mir sagte, ich werde sein zerbrechliches Gefäß sein. Er sagte nicht, dass ich zerbrochen sein werde. Und das ist ein bedeutungsschwerer Unterschied, denn für Gott bin ich ganz und all meine Risse und Sprünge können dazu dienen, ihn zu verherrlichen, solange ich dazu bereit bin. Er ist es der die #Wahrheit über mich spricht.

Du kannst mir hier gerne schreiben!

© 2019 by Mag. Magdalena Preineder