Vom Schmerz zum Segen

Wie dem drückenden Joch auf deinen Schultern zu den Füßen des Gekreuzigten die Schwere genommen wird und du Leichtigkeit erfahren darfst.


Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht. (Mt 11,28-30)

Diese Verse sind wohl jedem Christen sehr vertraut. Nur zu gerne werden sie zitiert, wenn jemand ein schweres Kreuz zu tragen hat. So ermunternd diese Worte auch sein mögen, so schwer ist die eigentliche Botschaft ihrer umzusetzen: Wenn Jesus spricht, dass die Beladenen, die Leidenden, zu ihm kommen sollen und seine Last leicht ist, dann sind das keine oberlächlichen Mutmacher-Worte. Mit Vers 30 hatte ich lange zu kämpfen, ich konnte - oder vielleicht wollte ich auch gar nicht - verstehen, wie das Joch des Herrn leicht sein kann. Denn es zu verstehen, würde von mir als Christ fordern, nicht beim Verstehen stehenzubleiben, sondern den Inhalt dieser Worte anzunehmen und umzusetzen.

Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.

Das sind ja eigentlich schöne Worte, oder? Ich sollte kein Problem damit haben sie anzunehmen und auch anzuwenden. Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich eines Tages die Schulbank drückte, im Psychologie- und Philosophieunterricht saß und mein Professor begann Mutter Teresa zu kritiesieren. Er unterzog sie einer scharfen Kritik, weil sie den Schmerz als Kuss Jesu bezeichnet hatte.

Der Schmerz als Kuss Jesu?

Was hat es damit wohl auf sich? Das fragte auch ich mich damals und als ich begann die Leichtigkeit des Joches Jesu zu verstehen, begann ich auch die Aussage Mutter Teresas zu verstehen. Um jemanden zu küssen, muss man ihm sehr nahe sein. Wenn also der Schmerz der Kuss Jesu ist, dann ist der Leidende Jesus besonders nahe. Ein Kuss ist etwas schönes, oder? Als ich erst am Anfang meiner Reise mit der Depression stand, meinte mein bester Freund immer wieder, ich solle mein Leid Jesus bringen. Doch ich konnte irgendwie nicht. Ich konnte nicht verstehen, was es mir bringt, denn offensichtlich wollte dieser mein Leid ja nicht von mir nehmen? Warum es also zu ihm bringen? Was ich lernte, war, dass meine Art zu denken falsch war. In diesem Falle ging es nicht um mich. Mein Leid zu Jesus zu tragen und es ihm anzubieten, sollte nicht dazu dienen, dass ich ein leichteres Leben habe, sondern dass Gott darin Verherrlichung finden konnte.

Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid!

Ich verstand, dass zu ihm zu kommen, bedeutete, dass ich wirklich zu ihm kommen musste. Es bedeutet bei ihm zum Stehen zu kommen, anzukommen, zu verweilen. Das bedeutet wiederum eine gewisse Nähe zwischen Jesus und mir zuzulassen. Eine Nähe, die es vermag den Schmerz in einen Segen zu wandeln. Zu ihm zu kommen, bedeutet, ihm so nahe zu sein, dass ein Kuss möglich ist, da darf nicht viel Distanz sein.

Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.

Umso näher ich an Gott herantrat, umso mehr zeigte er mir, wie er mein Joch in ein leichtes Päckchen wandeln wollte. Das Christentum ist eine Religion der Nächstenliebe. Und das musste ich in diesem Kontext von Neuem lernen, denn so wie zwischen Gott und mir durch den Schmerz eine solche Herzensnähe entsteht, dass er mich küssen kann, so sollte zwischen mir und meinem Nächsten eine besondere Nähe entstehen.

Gott zeigte mir immer wieder, dass es nicht um mich geht und wenn ich endlich beginnen sollte, ihn Gott sein zu lassen - auch inmitten meines Schmerzes, dann wird auch mein Joch sanft und meine Last leicht, denn dann schafft er daraus etwas wunderschönes.

Wie komme ich nun Gott im Schmerz besonders nahe? Wie wird das Joch leicht? Indem du dein Leid zu den Füßen unseres gekreuzigten Gottes hinträgst und es dort liegen lässt. Indem du aufhörst immer nach dem warum und wieso zu fragen und stattdessen beginnst zu fordern, aufzufordern, und zwar Gott.Du sollst ihn auffordern deinen tiefsten Schmerz als Sühneopfer anzunehmen, so kann dein Schmerz mit dem des Gekreuzigten vereinigt werden. So kann Schmerz zu Segen werden. Jedes Mal, wenn mein innerer Schmerz mich zu überwältigen droht, dann bitte ich Gott, ihn anzunehmen als Sühneopfer (in meinem Fall für all jene Priester, die ihm besonders wehgetan haben). Gott wiederum schenkt mir in diesen Situationen die Erfahrung, dass sein Wort immer wahr ist und wenn er sagt, dass sein Joch leicht ist, dann ist es auch so. In den Momenten, in denen ich bereit bin aus meinem Schmerz, Segen und Verherrlichung entstehen zu lassen, lastet das Leid nicht mehr wie ein drückendes Kreuz auf meinen Schultern. Stattdessen darf ich in jenen Momenten Leichtigkeit, Freiheit und die Süße des Weges mit Jesus erfahren. Wenn ich ans Kreuz trete, geht es also nicht um mich, aber wenn ich ans Kreuz trete mit der Bereitschaft daran Anteil zu haben, dann verändert das auch mein Leben - vom Schmerz zum Segen.

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© 2019 by Mag. Magdalena Preineder