Was ist ein Mensch ohne Dir?

Was ist ein Mensch ohne Dir?

Er gleicht einem Säugling ohne Mutter. Wie es das Neugeborene nach der Milch der Mutter verlangt, so oh Gott, verlangt mein Herz nach Dir. Leg mich an deine Brust, lass mich den Schlag deines Herzens vernehmen!

Weh mir, wenn ich mich abwende, um zu suchen, wo ich nichts finden werde - gleicht doch alles außer Dir dem ausgedörrten Grund einer Wüste. In ein Ödland begibt sich, wer von Dir sich wendet.

Wie kann Bestand haben, wer nach Leben dürstet? Wie lässt sich finden die Quelle, die alles Leben gebärt? Wie lässt sich finden die Quelle, die gibt ohne gegeben zu sein? Wie lässt sich finden die Quelle, seiend ureigentlicher Grund und Ziel allens Strebens?

Zu Dir, oh Gott, erhebt sich meine Seele, suchend einen flüchtigen Blick auf das Antlitz deiner zu erspähen. Zu Dir richten sich meine Augen, denen Du ihr Licht gabst - suchend nach dem Quell des Lichtes. Wie wünschte ich, ich könnte sehen. Wie wünschte ich die Blindheit, die meine Augen befällt, entspränge nicht dem Trug der Welt, sondern einstig der Begegnung mit deiner Herrlichkeit. Lass dein Licht mich blenden und wende ab von mir, was zu sehen trübt, wonach zu sehen mein Inneres verlangt.

Weh mir, wenn ich den Staub der Erde deinem Glanze vorziehe. Sei Du wonach mein Herz sein Streben richtet. Triff, was mein Sehnen beheimatet und wende ab, was unter deinem Angesicht nicht kann bestehen. Dein Wohlgefallen sei meines Herzens Gebot, erschüttere, wo es sich nicht zu beugen willt.

Lass deinen Namen den Atem meines Lebens sein, halte mich im Blicke deines Angesichts.

Wie ein Säugling verlangt nach der Brust seiner Mutter, so, oh Gott, verlangt mein Sein nach Dir. Lass mich nicht vergehen, nicht wandeln ohne Dir.

In Dir findet, wer sucht. Der Fülle Quelle bist Du, die Quelle, nach der mir verlangt zu streben. Gib zu trinken dem ausgezehrten Gebein.

Gib, der Du selbst nicht gegeben bist und nicht zu geben bedarfst, der jedoch gibt ohne je zu versiegen. Gib dem Herz, das nach Dir verlangt.

Lass kosten von deiner Herrlichkeit, den dessen Innerstes nach Dir ruft, wie der Säugling nach der Brust der Mutter. Gib, Du Quell des Lebens, gib dem Herz, das Dich sucht und Dich zu suchen strebt.

Du kannst mir hier gerne schreiben!

© 2019 by Mag. Magdalena Preineder