Wie Gott mich gelehrt hat, dass loszulassen eine Gnade ist

Manchmal ist das Loslassen kein Müssen, auch wenn es uns so vorkommt, sondern vielmehr ein Dürfen, das es zu entdecken gilt.


Vielleicht hast du es schon mitbekommen, vielleicht auch nicht: Vor kurzem habe ich meine beste Freundin verloren, nicht durch Tod, sondern durch ihre bewusste Entscheidung aus meinem Leben zu treten. Das hat mich zu Beginn ziemlich fertig gemacht. Ich verstand nicht, wie sie das tun konnte, fühlte mich ungerecht behandelt, war traurig und zornig zugleich und dachte nie wieder zu solch einer Herzensverbindung in der Lage zu sein, wie ich sie mit ihr hatte.

Wie sollte ich den Menschen aus meinem Leben fortziehen lassen, mit dem ich alles teilte? Mit dem ich gemeinsam durch seine und meine schlechten Zeiten gegangen bin? Den ich so sehr liebte (platonisch), dass ich mich manchmal schon fühlte als wäre ich zweifach verheiratet?

Wie du bereits einmal lesen konntest, war loslassen noch nie meine Stärke. Ganz egal, um was es ging.

Aber jetzt musste ich es. Und weißt du, was Gott mich gelehrt hat?

Manchmal ist das Loslassen kein Müssen, auch wenn es uns so vorkommt, sondern vielmehr ein Dürfen, das es zu entdecken gilt.

Im Rückblick wurde mir klar, wie viel Freiheit mir diese Freundschaft genommen hat, denn sie hat viele Wunden in mir verursacht. Schon länger lief nicht mehr alles so rosig wie es in einer aufrichtigen, stabilen, Christus-zentrierten Freundschaft sein sollte. Obwohl ich diesen Umstand bereits wahrgenommen hatte, wollte ich ihn dennoch nicht bewusst sehen.

Deshalb fiel es mir auch so schwer loszulassen. Ich hielt an etwas fest, dass in meiner Vorstellung wunderbar, stärkend und fruchttragend war. Doch das war es nicht, nicht mehr zumindest, sondern verletzend, unterdrückend, freiheitsberaubend. Ja, das sind harte Worte.

Erst als ich meinen Blick bewusst dem Jetzt dieser Freundschaft zuwandte, konnte ich begreifen, was für eine Gnade es ist, loslassen zu dürfen, denn Gott will mich wieder in die Freiheit führen.

Frei zu sein funktioniert nicht, wenn man krampfhaft an etwas festhält. Schon gar nicht wenn dieses etwas nicht so ist wie man es sich vormacht und damit in einem objektiven Widerspruch zur Wahrheit steht. Von der Wahrheit aber gilt, sie wird uns frei machen.

Loslassen bedeutet die Hände frei zu haben, um Gott zu loben anstatt irgendetwas fest zu umklammern, das nicht für einen gedacht ist.

Ich kann heute voll Dankbarkeit auf die Erfahrungen blicken, die mir diese Freundschaft geschenkt hat. Zugleich darf ich aufatmen und frei sein für all jene Beziehungen, die Gott mir in meinem Leben noch schenken möchte. Ich will nicht die Fäuste ballen und das Schwert zum Kampf erheben, ich will viel mehr meine Arme Gott zum Lobpreis entgegenstrecken und meine Hände öffnen, um zu empfangen, was er mir geben möchte.

Das bedeutet aber nicht, dass man willkürlich Beziehungen, Menschen, loslassen soll, wenn es mal nicht so rund läuft. Es ist angebracht, diese Beziehungen zu prüfen, tragen sie Früchte? Herrscht Liebe vor? Kannst du sie mit einem gottgefälligen Leben vereinbaren?

Aber wenn Gott sagt: „Lass los, mein Kind. Lass los, was ich nicht für dich bestimmt habe.“, dann ist es Zeit loszulassen.

Vergiss nicht: Wenn ein Loslassen gottgewollt ist, ist es ein Dürfen und kein Müssen.

Du kannst mir hier gerne schreiben!

© 2019 by Mag. Magdalena Preineder