Zwischen Gottesferne und Gottesnähe (Teil 1)

Um mit Dir ein wenig über das Gefühlsleben inmitten des geistlichen Lebens zu plaudern, liest Du hier zum Einstieg über eine meiner Erfahrungen vermeintlicher Gottesferne und Worte von Benedikt XVI zum Schweigen Gottes (entnommen Verbum Domini).


Stille.

Ich bin ihr ausgeliefert.

Beklemmnis legt sich wie eine eiserne Faust um mein Herz.

Stille.

Eine Frage.

Gott, wo bist du?


Zwischen diesen Worten, der ihnen zugrunde liegenden Erfahrung und meiner letzten Bibellektüre liegen keine 30 Minuten.


Verrückt, denke ich mir.


Verrückt, dass ich eben noch Gottes Wort studiert habe. Mit dem Volk Israel und seinem, sowie meinem, Gott mitgefühlt habe und jetzt das. Jetzt liege ich zu vorgerückter Stunde in meinem Bett, jedes Licht erloschen. Auf eine gewisse Art und Weise nicht nur in diesem Raum. Ich denke an Jesu Todesstunde, das Zerreißen des Tempelvorhangs.


Verrückt, dass es mir vorkommt als wäre in den Tiefen meiner Seele ein Vorhang zugezogen worden. Ein Vorhang, der mich mit meinem am Kreuz hängenden Gott-Sohn mitfragen lässt:


„Eli, eli, lema sabachthani?"

Zugleich muss ich an Worte von Benedikt XVI. denken:


„Das Schweigen Gottes ist wie eine Verlängerung der Worte, die er zuvor gesprochen hat. In diesen dunklen Augenblicken spricht er im Geheimnis seines Schweigens. Darum erscheint in der Dynamik der christlichen Offenbarung das Schweigen als wichtiger Ausdruck des Wortes Gottes.“

Gott spricht auch im Schweigen. Wieder sowas eigentlich ziemlich verrücktes. Aber zugleich etwas ganz klares, denn wie oft erleben wir schweigende Stille und erfahren in ihr den Ausdruck einer Botschaft: Ehrfurcht, Trauer oder betretenes Schweigen.


Eigentlich gar nicht so verrückt.


Benedikt XVI schreibt zudem über das Schweigen Gottes, das für seinen einziggeborenen Sohn am Kreuz erfahrbar geworden ist:


„Diese Erfahrung Jesu ist bezeichnend für die Situation des Menschen, der, nachdem er das Wort Gottes gehört und erkannt hat, es auch mit seinem Schweigen aufnehmen muß.“

Der Mensch, der Gottes Wort gehört und erkannt hat, der Mensch, der dem Wort Gottes kein Fremder mehr ist, muss es mit dem Schweigen Gottes aufnehmen.


...aufnehmen muss... klingt voll Schwere an.


Wie?

Wie ist der Mensch fähig das Schweigen auszuhalten und es mit ihm aufzunehmen?


Benedikt schreibt:


„Wie das Kreuz Christi zeigt, spricht Gott auch durch sein Schweigen. Das Schweigen Gottes, die Erfahrung der Ferne des allmächtigen Vaters, ist ein entscheidender Abschnitt auf dem irdischen Weg des Sohnes Gottes, des fleischgewordenen Wortes. Am Holz des Kreuzes hängend, hat er den Schmerz beklagt, den dieses Schweigen ihm zufügt: »Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?« (Mk 15,34; Mt 27,46). Gehorsam bis zum letzten Atemzug, hat Jesus in der Finsternis des Todes den Vater angerufen.“

Gehorsam bis zum letzten Atemzug, selbst in der Finsternis.


Gehorsam, der sich in der nie endenden Anrufung des Vaters äußert.


Das ist die Antwort auf erfahrene oder scheinbare Gottesferne, die uns Jesu eigenes Erleben lehrt.

Du kannst mir hier gerne schreiben!

© 2019 by Mag. Magdalena Preineder