Zwischen Gottesferne und Gottesnähe (Teil 3)

Nachdem Du in den letzten beiden Beiträgen über sowohl positive als auch negative Erfahrungen in meinem geistlichen Leben lesen konntest, möchte ich jetzt mit Dir über ein Thema sprechen, das mir sehr am Herzen liegt: Das Gefühlsleben inmitten des geistlichen Lebens.


Was ich bei mir selbst, aber auch in meinem Freundeskreis immer wieder beobachten kann, ist ein und dasselbe "Phänomen": Oft lassen wir zu, dass unsere Emotionen zu einem Hauptakteur in unserem geistlichen Leben werden. Und das zu Unrecht.


(Vorab: Besondere geistliche, mystische Erfahrungen sind natürlich ein gesondert zu betrachtendes Thema.)


In Teil 1 dieser Beitragsreihe habe ich Dir von einer meiner Erfahrungen vermeintlicher Gottesferne erzählt. Warum? Um Dir eines aufzuzeigen: In dem Moment, den ich Dir geschildert habe, habe ich mich gefühlt als hätte Gott mich verlassen. Als wäre weit und breit nichts von ihm zu sehen - oder zu spüren. Die Sache ist aber, dass uns die Bibel lehrt, dass er der Gott mit uns ist und das in jedem Augenblick unseres Lebens. Das bedeutet, dass meine Emotion der gefühlten Gottesferne gegen das ewige Wort Gottes von seiner immerwährenden Nähe steht. Ganz klar: Meine Gefühlslage kann einpacken, denn Gefühle entsprechen nicht immer den Tatsachen. Gefühle entsprechen nicht immer der Wahrheit, das Wort Gottes jedoch schon.


In Teil 2 habe ich Dir wiederum eine sehr positive Erfahrung der Nähe Gottes dargelegt. Dass ich diese Nähe auf so eindrucksvolle Weise wahrnehmen durfte, hat mich natürlich aufgebaut und ermutigt, doch auch diese Erfahrung hat letztendlich nicht das Sagen über den Stand meines geistlichen Lebens oder meine Beziehung zu Gott im Generellen. Wenngleich sie ein kurzer Ausdruck dessen sein kann, charakterisiert sie meine Gottesbeziehung nicht im Ganzen, denn diese ist einerseits wesentlich vielschichtiger als dass ein einziger Moment sie einfangen könnte. Andererseits ist mir Gott, nach dem Zeugnis seines Wortes, in einem Moment der gefühlten Gottesferne nicht ferner als in einem Moment der gefühlten Gottesnähe, denn er ist immer bei mir. In absolut jedem Moment - ganz egal, was ich dabei fühle.


Was ich Dir damit sagen möchte: Wo du im geistlichen Leben stehst, wird nicht durch Deine Gefühlslage bestimmt!


Dass man sich mal Gott näher, mal Gott ferner fühlt, kommt vor und ist nicht selten durch emotionale Umstände bedingt: Du hast ein emotionales Hoch während deines Gebetes und Freude durchströmt Dich? Wunderbar, Gott ist Dir nahe! Du betest, doch die so ersehnte deinen Körper durchströmende Wärme bleibt aus? Fühlt sich nicht so gut an wie Ersteres, aber Gott ist Dir genauso nahe!


Es ist gut, Gefühle heranzuziehen, um Gott in ihnen zu dienen, aber nur solange die Gefühle auch tatsächlich Gott unterstellt sind und nicht Gott den Gefühlen. Verstehst Du, was ich meine? Ich glaube viele von uns neigen oft dazu, unsere Gefühle Gott sein zu lassen und wenn wir uns nicht frohlockend und wohlig-warm im Inneren fühlen, dann meinen wir, dass etwas mit unserem geistlichen Leben oder unserer Gottesbeziehung nicht stimmt. Doch gefühlte Dürren im Gebetsleben, im geistlichen Leben, im Glauben an sich, kommen vor - das bedeutet jedoch nicht, dass das, was für dich wie Steppe aussieht für Gott nicht wie eine blühende, kräftig-grüne Wiese aussieht.


Ich glaube in einem Punkt sind wir uns einig: In Mutter Teresa und ihrem Handeln ist Gott sichtbar geworden, oder? Nichtsdestotrotz erfuhr sie sehr intensiv eine vermeintliche Gottferne.


Also, worauf ich hinaus will: Lass nicht zu, dass Deine Gefühle den Platz Gottes einnehmen. Gott ist immer mit Dir, egal ob Du dich so fühlst oder nicht. Das ist eine Wahrheit, die ewig gilt und an der Du Dich in jeder dunklen Stunde festhalten darfst.




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© 2019 by Mag. Magdalena Preineder